Feiern wir das Vorlesen!

Aktualisiert: Mai 23

Am 27. Mai feiert die Schweiz den dritten, nationalen Vorlesetag. Der Aktionstag erinnert wie wichtig und wertvoll Vorlesen ist. 


Vorlesen schafft Nähe, unterstützt Kinder nachweislich in ihrer kognitiven und emotionalen Entwicklung, regt die Fantasie und Kreativität an und erleichtert das schulische Lernen.

 

Leider macht dieses Jahr das Corona-Virus alle öffentlichen Vorlese-Veranstaltungen für Kinder unmöglich. Nichtsdestotrotz können alle den Tag in kleinem Rahmen feiern, dort wo nämlich regelmässiges Vorlesen besonders wirkungsvoll ist: in den eigenen vier Wänden. Inzwischen sind wir ja ohnehin alle Profis im Daheimbleiben. Mit diversen kreativen @home-Massnahmen wird der Vorlesetag ein privater Erfolg. Bestenfalls schafft er neue Familienrituale.


Hier meine Ideen und Vorschläge für einen besonderen, fantasievollen, genüsslichen Vorlese-Anlass  zu Hause:

Traditionell: mit Taschenlampe, Kissen und Decken wird abends zu Hause so lange vorgelesen bis den Beteiligten die Augen zufallen. So kann man  gleich  von der fiktiven Welten weiterträumen. Vielleicht schafft ein improvisiertes Zelt das passende Ambiente  dafür oder ihr zeltet gleich richtig im heimischen Garten/Balkon oder  Wohnzimmer? Ein Vorlese-Camp für die ganze Familie sozusagen! Alternativ  sucht ihr einige Tage vorher nach dem richtigen Leseort (siehe mein Blogpost: Ich will in Ruhe lesen)
Theatralisch: Ihr wählt eine (euch schon bekannte) Geschichte aus. Diese wird vorgelesen und gemeinsam besprochen. Als nächstes  werden in der Familie die Rollen der Protagonisten verteilt. Jetzt gilt es die Handlung (mit viel Humor und Kreativität) nachzuspielen. Requisiten nicht vergessen! Der Applaus ist garantiert.
Filmreif: Dank eines Bilderbuchkinos und Popcorn mutiert  die heimische Stube zum KinosaalMit einem Laptop kann das Kinofeeling auch nach draussen verlegt werden. Die Vorlese-Geschichte wird dank  grossen Bildern auf  Bildschirmgrösse verfolgt. Bilderbuchkinos können auf verschiedenen Verlags-Webseiten oder Buch-Bestseller-Seiten heruntergeladen werden (z.B. Carlsen.de | thienemann-esslinger.de | ravensburger.de | kuh-liselotte.de) etc. Aber Achtung: Beim Bilderbuchkino handelt es sich  nur um Bilder aus der Geschichte. Das Buch mit dem Text  braucht man trotzdem. Es lohnt sich deshalb rechtzeitig zu recherchieren und allenfalls das Buch zeitig zu organisieren. 
Dazu können von den Kindern vorab  passenden Kinotickets fantasievoll gestaltet  und Popcorns gerichtet werden...
Digital: Vorlesen geht heute selbstverständlich problemlos auch via Facetime / Skype / Zoom oder notfalls per Telefon.  Damit können auch grosse Distanzen überwunden  und Enkelkinder, Nichten/Neffen, Patenkinder usw. mit einer Geschichte beglückt werden. Vielleicht ist es der Beginn eines neuen Rituals? 
Animiert: Jede (Bilderbuch-)Geschichte kann  mit passenden Liedern, Spielen und anderen Aktivitäten angereichert werden. Das braucht etwas Vorbereitungszeit, damit die geeigneten Ideen gefunden werden. Kreiert rund um eure Vorlese-Geschichte eine stimmige Welt, z.B. indem eine Szenerie geschaffen wird, passende Snacks vorbereitet werden, die gleichen Requisiten wie im Buch vorhanden sind usw. Passende Lieder, Versli und Spiele runden alles ab.
Nachbarschaftlich: Ein besonderer Vorlese-Event in der unmittelbaren Nachbarschaft gelingt bestimmt, wenn wir uns Romeo und Julia zum Vorbild nehmen. Vielleicht sitzen die kleinen Zuhörer auf Balkone oder sie versammeln sich im Hof und der/die Vorlesende liest ab dem Balkon. Bestimmt schafft man so eine besondere Atmosphäre  unter freiem Himmel. Je nach Uhrzeit hören  die Vögel mit oder der Mond schaut zu.  
Professionell: Wer das Vorlesen trotzdem Profis überlassen will (aber ich ermutige jede/n es zu probieren!), der sei auf die Botschafter des Vorlesetags hingewiesen;  Arthur Honegger, Dominique Gisin, Christa Rigozzi und viele mehr. Dieses Jahr werden sie alle online vorlesen. Infos zum Programm findet ihr hier. 


Meine Tipps für das Vorlesen zu Hause:


  • Nehmt euch Zeit, erlaubt Nähe und schafft eine angenehme Atmosphäre. 

  • Am besten gelingt das Vorlesen, wenn die Geschichte gemeinsam mit dem Kind ausgewählt wird und die fiktive Lebenswelt die aktuellen Interessen des Kindes wiederspiegelt. Das Alter der Hauptfigur im Buch kann als Hinweis dienen.

  • die gängigen Märchen empfehle ich erst ab 4 Jahren. Meistens sind diese Lebenswelten nicht mehr unbedingt zeitgemäss. Es sind viele Stereotypisierungen zu finden, weshalb die Identifikationsfunktion dort nicht gelingt. Auch haben sie oft eine Moral, die von jungen Kindern nicht verstanden wird. Was bei Märchen fasziniert ist der Gegensatz von gut/böse. Das hat seine Wichtigkeit, aber erst mit genügend emotionaler Reife. Kinder sind aber sehr kompetente Zuhörer und halten einiges aus, weshalb wir ihnen auch keine Geschichten vorenthalten müssen.  Einfach im richtigen Alter.

  • Die Freude am Vorlesen und die gemeinsame Qualitätszeit sollten in Vordergrund stehen, nicht die Pädagogik. Geniesst die spontanen Gespräche, die in Gang kommen. Über Wiederholungen und Löcher im Bauch fragen, lernen die Kinder. 

  • Unsere Stimme (zusammen mit der Mimik / Gestik) ist beim Vorlesen das wirksamste Instrument. Setzt sie richtig und wohl dosiert ein. Variiert die Lautstärke entsprechend der Geschichte. Das macht sie lebendig. Versucht, die Emotionen im Buch stimmlich zu transportieren, vor allem während der direkten Rede. Wut, Trauer, Freude... Alles hat eine andere stimmliche Kadenz.

  • Darum ist es ratsam in der eigenen Muttersprache vorzulesen. Insbesondere bei jüngeren Kindern kann das bedeuten, dass der/die Vorlesende den deutschen Text ins Schwiizertüütsch "übersetzen" muss.

  • Macht kurze, dramaturgische Pausen an der richtigen Stelle! Das erhöht die Spannung. Involviert die jungen Zuhörer, indem ihr sie dialogisch ins Geschehen miteinbezieht. Unterbrecht das Geschehen wenn nötig durch Bewegung-, Spiel- und anderen Sequenzen. 


Viel Vorlespass und spitze Kinderohren

Ilaria


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Ilaria Morado

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