Ohne-Worte-Weihnachts-Wunsch-Bücher (für 3 bis 8 Jahren)

Ein Buch zu verschenken ist nie verkehrt. Bücher passen immer. Sie sind es eine verhältnismässig kleine Investition, die aber Grosses bewirkt. In diesem Post präsentiere ich textlose Bilderbücher als Geschenktipp. Nicht zuletzt, weil sie Kinder ermächtigen.


Kinder, die keine Bücher mögen gibt es nicht. Das ist ein Mythos. Es gibt allerdings Bücher, die nicht zum Kind passen. Sie überfordern oder unterfordern es. Diese Tatsache sollte Erwachsene allerdings nicht davon abhalten, nach dem besten Geschenkbuch zu suchen. Denn, wenn ein Buch den Geschmack trifft und das Kind neugierig wird, ist es viel mehr als ein blosses Geschenk. Der Beschenkte öffnet nicht nur ein Buchdeckel, sondern gleich das Tor zu einer fremden Welt, von der es hoffentlich augenblicklich in seinen Bann gezogen wird.


Wer sucht, der findet: Empowerment

Ein Buch regt die Fantasie an, fördert Empathie, zeigt Lösungen auf und vieles mehr. Das Potential von Büchern ist riesig. Erstaunlich und faszinierend finde ich, wenn Bilderbücher dabei ganz ohne Worte auskommen. Die Macht des Bildes reicht aus. Die Vorstellungskraft macht den Rest. Textlose Bilderbücher kommen bei Kindern unglaublich gut an, denn sie setzen ein nicht zu unterschätzender Mechanismus in Gang: Die Selbstermächtigung (Empowerment).

Was, wenn ein Kleinkind sich selbst "Vorlesen" kann? Was, wenn sich ein Kind bei jedem Anschauen eine andere, eigene Geschichte zu den Bildern ausdenkt. Was, wenn die Geschichte kognitiv mit einem selbst mitwächst? Beim wiederholten Anschauen bzw. "Lesen" begreift das Kind neue Zusammenhänge, kennt ein neues Wort zum Bild oder malt sich eine neue Version der Geschichte aus. Schliesslich entdeckt es die Handlung immer wieder neu. 

Textlose Bilderbücher übertragen den jungen Lesern ein Stück weit Macht. Macht über den Leseprozess an sich, Macht über die Handlung, Macht über die Interpretation der Geschichte usw. Wortlos fordern sie auf, selbst zu denken, Worte dafür zu finden und Lücken zu schliessen. Kurzum baut sich ein Kind damit, Schritt für Schritt, die eigene Welt auf!


Die besten Ohne-Worte-Bücher

In meiner über sechs jährigen Tätigkeit als Literaturvermittlerin sind mir so einige textlose Bilderbücher unter die Augen gekommen. Meine drei Kinder testen alle gleich mit. Ich stelle hier die absoluten Kinder-Favoriten vor. Diese basieren auf meinen Erfahrungen und Beobachtungen. Die folgenden fünf Empfehlungen stellen keine Werbung dar und sind auch keine abschliessende Auflistung. Es handelt sich um herzliche Tipps für sinnvolle und anregende Weihnachtsgeschenke oder zur Ergänzung einer tollen Kinderbibliothek!


Empfohlen ab 3 Jahren: "Ausflug zum Mond" (J. Hare / Moritz Verlag)

Wie ist es, wenn ein Kind bei einem Schulausflug auf dem Mond vergessen geht? Furchterregend! Ist es alleine dort? Natürlich nicht. Die Kombination aus Identifikation und Emotion ist absolut fesselnd.


Wird geliebt, weil:

Ein packendes Bildvergnügen, weil jedes Kind insgeheim Angst hat, bei einem Ausflug zurück zu bleiben. Zu Recht hat dieses Buch ein Literaturpreis gewonnen. Im Februar 21 erscheint ein Nachfolger.



Empfohlen ab 3 Jahren: "Die Torte ist weg" (T. Tiong-Khing / Moritz Verlag)

Gleich auf dem Cover duftet es nach Kuchen. Das zieht Diebe an. Eine Verfolgungsjagd nimmt gleich ihren Lauf. Es gilt herauszufinden, was mit der Torte passiert. Auf jeder Seite gibt es aber weitere Schauplätze. Alles hängt zusammen. Die Torte natürlich auch.


Wird geliebt, weil:

Alle Kinder freuen sich auf Kuchen. Diesen zu klauen, empfinden sie als ungerecht. Schon beim Buchdeckel wird der Leser in die Handlung eingezogen. Die Illustrationen entfalten eine Sogwirkung. Der Leser entdeckt jedes Mal ein weiteres Details und ein neuer Zusammenhang. Der zweite Band heisst: "Geburtstag ohne Torte!" Das bleibt wohl auch nicht unbeachtet.



Empfohlen ab 6 Jahren: "Hieronymus" (T. Tiong-Khing / Moritz Verlag)

Ein Kind fällt beim Spielen in eine Schlucht. Auf der Suche nach seinem verschwundenen Ball, entdeckt es fremde Wesen und fantastische Welten. Das Buch ist ein surrealistischer Spielplatz bei dem es allerlei Kuriositäten zu entdecken gibt! Es ist eine Hommage an den Maler Hieronymus Bosch.


Wird geliebt, weil:

In eine Schlucht zu stürzen ist schlimm genug. Der Leser fiebert allerdings mit, wenn die Identifikationsfigur furchtlos Schlangenwesen und anderen schrägen Figuren begegnet. Das Buch verspricht Action, aus sicherer Entfernung! Das Fantastische übt seine Faszination aus, inspiriert und beflügelt die Fantasie.



Empfohlen ab 6 Jahren: "Pierre der Irrgarten-Detektiv"(H. Kamigaki / Prestel)

Gut gegen Böse funktioniert immer. Der Detektiv Pierre jagt Mister X, ein Juwelendieb. Das Buch entführt seinen Leser in die tiefsten Winkel einer Stadt und lässt ihn suchen, raten und den Bösewicht jagen. Das gibt zu tun.


Wird geliebt, weil:

Auf jeder Seite durchquert der Leser ein anderer Irrgarten. Unzählige Details erzeugen Spannung, Kopfkino und Nervenkitzel. Altersabhängig konzertiert sich das Kind entweder auf die Suche, die Illustrationen oder denkt sich eine passende Geschichte aus. Es gibt ein Ausmalbuch dazu und ein Folgeband. Im Februar 21 erscheint ein dritter.




Empfohlen ab 5 Jahren: "Spaziergang mit Hund" (S. Nordquist / Oettinger Verlag)

Mit Omas Hund spazieren zu gehen entpuppt sich als aussergewöhnliche Reise durch fantastische und kuriose Welten mit musizierenden Elefanten, grasenden Käfern und schwimmenden Dörfern.


Wird geliebt, weil:

Die geordnete Welt gerät kurzzeitig aus den Fugen. Die Kinder entdecken Lustiges, Schräges, Unheimliches und Rasantes zugleich. Jedes Umblättern ist ein überbordender Augenschmaus, bevor der Spaziergang zu Ende geht und die Normalität zurückkehrt.


Und wenn ich mir noch erlauben darf...

Wenn ich euch mit diesen Tipps inspiriert habe und ihr ein Buch bestellt, denkt doch daran, lokales Gewerbe zu unterstützen. Ja, die Bücher sind ein paar Fränkli teurer als beim Internet-Gigangten. Aber lokal zu bestellen schont die Umwelt, beutet keine Arbeiter aus und sorgt für Wohlfahrt im eigenen Land. Auch das ist Ermächtigung.


Wundervolle Weihnachten wünscht

Ilaria

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